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  • Anwesenheitserfassung im OP

    Ausgangslage
    Das Klassifikationssystem der DRG’s wurde verpflichtend für alle Krankenhäuser im Jahr 2004 in Deutschland eingeführt. Die DRG’s werden von den Leistungserbringern als Abrechnungsgrundlage gegenüber den Kostenträgern herangezogen. Um langfristig kostendeckend arbeiten zu können, sind die Krankenhäuser bestrebt, dass die Kosten je Behandlungsfall unterhalb des durch die DRG vergüteten Erlöses liegen. Für die Ermittlung und Weiterentwicklung der DRG’s  ist das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) zuständig. Einige Krankenhäuser sind gemäß §21 KHEntgG Kalkulationshäuser und übermitteln ihre Leistungsdaten, wie z.B. Zeitinformationen an das InEK, welches  diese Daten zur Weiterentwicklung des Entgeltsystems heranzieht. Die Erstellung dieser Leistungsdaten ist für die Kalkulationskrankenhäuser mit enormem Zeitaufwand verbunden. Eine gute Datenbasis ist jedoch Grundlage für eine kostengenaue DRG-Kalkulation. Der OP-Bereich ist aufgrund der Vorhaltung von medizinischem Equipment und der Vielzahl des hochqualifizierten Personals ein besonders kostenintensiver Bereich. Das InEK benötigt in dem Fachbereich der OP bestimmte Informationen über bspw.  Rüst-, Saal oder Schnitt-Naht-Zeiten Diese Zeitinformationen werden zurzeit  manuell erfasst oder liegen derzeit nur in unvollständiger  Form vor. 

    Lösungsansatz
    Eine automatisierte Datenerfassung  von relevanten OP-Zeiten würde das Informationsdefizit beseitigen, Fehler durch manuelle oder redundante Dokumentation verringern und die Datenqualität erhöhen. Mithilfe von Sensortechnologie kann die Personalbindung einzelner Akteure innerhalb der unterschiedlichen Phasen einer OP erfasst werden. Zu diesen Phasen gehören bspw. die Umlagerung des Patienten, die Einleitung der Anästhesie und die min. Schnitt- und max. Nahtzeit. Die automatisierte Erfassung der Personalbindung ermöglicht neben einer genaueren internen Kostenkalkulation für das Krankenhaus auch eine erhöhte Datenqualität für das InEK.

    Partner
    Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil hat die Problematik der manuellen OP-Dokumentation aufgegriffen und setzt im Rahmen des OP-Neubaus auf eine automatisierte Anwesenheitserfassung des OP-Personals. Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST hat die Konzeption für die Umsetzung der automatisierten Anwesenheitserfassung erarbeitet. Bei der Entwicklung eines ersten Prototyps kommt die RFID-Technologie der Firma Locate Solution GmbH zum Einsatz. Auf Basis der ersten Erfahrungen, die in einem „realen“ Krankenhaussetting im Demo-Labor des Projektes Hospital Engineering gemacht werden, wird der Prototyp weiterentwickelt und final im OP-Neubau im Universitätsklinikum Bergmannsheil eingesetzt.

    Innovation
    Die RFID-Technologie ermöglicht die genaue Erfassung der Zeiten der OP-Beteiligten. Eine dafür entwickelte Software erfasst die Sensordaten und wertet diese unter Berücksichtigung des Datenschutzes aus. Die ausgewerteten Daten können dann von weiteren Beteiligten, wie z.B. der Controllingabteilung, die diese Informationen für die Kostenrechnung und die InEK-Kalkulation benötigt, aufbereitet werden. Neben der Reduktion der manuellen Dokumentation werden zusätzliche Aspekte, wie die Erhöhung der Patientensicherheit betrachtet. Nicht nur das Personal wird mithilfe der RFID-Technologie erfasst, sondern auch der Patient, so das Behandlungsfehler wie die Verwechslung von Patienten oder Eingriffen reduziert werden können. In zukünftigen Szenarien können medizinische Geräte mit einbezogen werden, die anhand der angemeldeten Operation vorkonfiguriert werden können.